Hochbegabung bei Erwachsenen: oft unerkannt, oft missverstanden
Viele Menschen verbinden Hochbegabung ausschließlich mit sehr guten Schulnoten oder einem hohen IQ. Tatsächlich zeigt sich Hochbegabung jedoch oft viel vielfältiger – und wird gerade bei sensiblen, kreativen oder neurodivergenten Menschen häufig spät erkannt.
Hochbegabte Menschen denken oft schnell, komplex und vernetzt. Sie stellen viele Fragen, analysieren intensiv und haben häufig ein starkes Bedürfnis nach Sinn, Tiefe und Verständnis. Manche erleben schon früh das Gefühl, „anders“ zu sein oder nicht richtig dazuzugehören.
Mögliche Hinweise auf Hochbegabung können sein:
- intensives Nachdenken und Grübeln
- hohe Sensibilität und emotionale Tiefe
- das Gefühl, innerlich „zu viel“ wahrzunehmen oder anderen „zu viel“ zu sein
- Kreativität, oft zu viele Ideen gleichzeitig
- schnelles Erfassen neuer Inhalte
- ausgeprägte Neugier und Wissensdurst
- starke Gerechtigkeitsorientierung
- Langeweile bei Routine oder Unterforderung
Nicht jede hochbegabte Person ist automatisch erfolgreich oder leistungsstark. Manche entwickeln Anpassungsstrategien, zweifeln an sich oder leiden unter Erschöpfung, Perfektionismus oder Überforderung. Besonders bei Erwachsenen bleibt Hochbegabung deshalb oft lange unerkannt.
In meiner Praxis begleite ich Menschen dabei, ihre eigene Art zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen besser zu verstehen. Eine Auseinandersetzung mit Hochbegabung kann helfen, mehr Selbstverständnis, Entlastung und passende Wege im Alltag und in Beziehungen zu finden.
Nicht selten wird Hochbegabung mit ADHS, Hochsensibilität oder anderen Themen verwechselt, da sich bestimmte Merkmale überschneiden können. Gleichzeitig können diese Ausprägungen auch gemeinsam auftreten. Eine differenzierte Betrachtung hilft dabei, die eigene Persönlichkeit und innere Dynamik besser zu verstehen.
Kostenlose Übungen für mehr Ruhe im Alltag
Es kann so wichtig sein, wieder zu sich bzw. zur eigenen Mitte zu finden.
Hierfür verwende ich gerne eine Fusion verschiedener Meditations- und körperpsychotherapeutischer Techniken, welche alle mit dem Nervensystem arbeiten und wissenschaftlich weiterentwickelt wurden.
Begleitend zu den Sitzungen bei mir empfinden es viele meiner Klient:innen als sehr hilfreich, diese Übungen zu praktizieren.
Insbesondere kann ich Irene Lyon empfehlen, die sich wiederkehrend in enger Zusammenarbeit mit Dr. Peter Levine befindet (Begründer von Somatic Experiencing). Auf ihrer Website wie auch auf YouTube stellt Irene kostenlose Ressourcen zur Verfügung, welche ich hier gerne weitergebe (schwarzer Button).
Im Rahmen meiner Ausbildung zur MBSR-Lehrerin (Mindfulness-Based Stress Reduction) habe ich zudem eigene Aufnahmen zu verschiedenen Achtsamkeitsübungen erstellt. Diese können Sie unter dem zweiten Button ebenfalls kostenfrei austesten.
Irene Lyons Aufnahmen sind auf Englisch; im deutschsprachigen Raum kenne ich leider keine so hochwertigen, kostenfreien und gut zugänglichen Ressourcen.
Wie viele Sitzungen werde ich benötigen?
- der derzeitige Stand der Wissenschaft
Für Coachings oder Beratungen reichen oft 3 bis 10 Sitzungen.
Die Abstände und die Anzahl sind individuell und sehr flexibel. Manche Menschen kommen mit ein oder zwei Gesprächen bereits weiter, andere nehmen über einen längeren Zeitraum hinweg punktuell Sitzungen in Anspruch.
Für viele psychotherapeutische Themen sind 10 bis 25 Sitzungen ausreichend.
Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft verbessern sich psychische Symptome bei ca. der Hälfte der Patient:innen nach 10 Sitzungen und bei ca. 75 % der Patient:innen nach 25 Sitzungen.
Viele Menschen kommen aber auch für weniger Sitzungen zu mir und sind bereits mit den dadurch erreichten Veränderungen zufrieden.
Ausnahmen bilden hier schwere, komplexe, chronische Verläufe, Persönlichkeitsstörungen oder mehrere Diagnosen: diese bringen meist einen längeren Therapiebedarf mit sich.
Allerdings entscheiden natürlich letztendlich Sie selbst, wann, wie oft und wie lange Sie die Therapie in Anspruch nehmen wollen.
So gut wie immer ist eine Sitzung besser als keine und bringt Ihnen Orientierung.
Kontaktieren Sie mich also gerne auch nur für eine Sitzung.
Was brauchen Menschen, um aufblühen und wachsen zu können?
- die 3 psychischen Grundbedürfnisse nach Deci & Ryan
Die sogenannte Selbstbestimmungstheorie ist ein wissenschaftlich gut erforschtes Modell der Motivationspsychologie, das in den 1980er-Jahren von den Psychologen Edward Deci und Richard Ryan entwickelt wurde. Es erklärt, warum Menschen sich langfristig wohlfühlen, wachsen und gesunde Entscheidungen treffen – nämlich dann, wenn drei psychologische Grundbedürfnisse erfüllt sind: Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit.
Die Theorie steht darüber hinaus dafür ein, dass echte Motivation nicht durch Druck entsteht, sondern dadurch, dass Menschen verstehen, warum etwas für sie selbst wichtig ist. Deshalb wird das Modell besonders gerne in Therapie, Beratung und Coaching eingesetzt.
Wie finden wir eine gesunde Mitte in unserem Leben?
- das Nervensystem und unser Toleranzfenster
Bildquelle: dis-sos.com
Häufig suchen wir "die gesunde Mitte im Leben", und wissen oft gar nicht, dass diese auch auf der Ebene unseres Nervensystems zu finden ist.
Fühlen wir uns gerade "in unserer Mitte", befinden wir uns im sogenannten Toleranzfenster (siehe Bild: grüner und gelber Bereich).
Dieses ist von Mensch zu Mensch verschieden groß. Teils spielen hier Gene eine Rolle, teils Umweltfaktoren wie derzeitiger Stress, Ernährung, Bewegung oder soziale Beziehungen.
Sobald wir außerhalb unseres Toleranzfensters geraten, werden entweder unsere Emotionen zu intensiv und unsere Gedanken zu schnell, sodass wir uns nicht mehr gut selber steuern können – oder wir spüren gar nichts mehr, erleben uns "wie abgeschnitten von uns selbst" und finden keinen Antrieb.
Viele Menschen pendeln von einem Ende ihres Toleranzfensters zum anderen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wieder mehr zur eigenen Mitte zu finden und stressresistenter zu werden – bspw. durch Atem- oder Achtsamkeits-Übungen, den Kontakt mit der Natur oder lieben Menschen, Musik oder Bewegung.
Zudem ist es oft eine gute Idee, mit psychologischer Unterstützung eigene Trigger, automatische Gedanken und Grundannahmen herauszuarbeiten, welche einen immer wieder aus dem eigenen Toleranzfenster werfen. Gemeinsam üben wir Methoden zur Selbstregulation ein und stärken mit Hilfe der therapeutischen Beziehung Ihre Kontakt- und Beziehungsfähigkeit.
Wenn Sie sich mehr über die Hintergründe des Toleranzfensters und die Fähigkeit zur Selbstregulation informieren wollen, empfehle ich, eine der Seiten von Dami Charf zu besuchen. Zum Beispiel:
www.traumaheilung.de/was-ist-selbstregulation
Hier wird auch thematisiert, weshalb reine Gesprächspsychotherapie an ihre Grenzen stoßen und es von Vorteil sein kann, den Körper deutlich mehr einzubeziehen.
Wie erlangen wir psychische Flexibilität?
- eine unserer wichtigsten Kompetenzen, um mit Stress umgehen zu können
Steven Hayes, der Gründervater dieses Modells, beschreibt psychische Flexibilität als die Fähigkeit zum vollständigen Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment und zum „offenen Fühlen und Denken“.
Psychische Flexibilität ermöglicht es uns, mit veränderten Lebensumständen umgehen und auf neuartige, kreative Weise über Probleme und Aufgaben nachdenken zu können.
Um sich gut an die derzeitigen Umstände des eigenen Lebens anpassen zu können, sollten möglichst alle sechs Aspekte für den Menschen möglich sein bzw. eingeübt werden.
Viele psychische Probleme, aber auch deren Lösungen, sind laut Hayes innerhalb dieser sechs Konzepte verankert. Auch in meinen Therapiesitzungen nehme ich gerne auf dieses Modell Bezug oder leite meine Klient:innen an, diese Komponenten einzeln zu trainieren.
Wie werden wir
resilienter?
- die sieben Säulen der Resilienz
Das Wort "Resilienz" wird auch "psychische Widerstandskraft" genannt und bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen (wie Krisen oder traumatische Erfahrungen) ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
Laut psychologischer Forschung sollten Menschen sieben Schritte durchlaufen, um optimal und hilfreich mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen
Wenn mich Klient:innen in einer Krise aufsuchen, nehme ich gerne auf dieses Modell Bezug.